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Diagnose: Krebs!

Von Lea Heizler

Viele Menschen assoziieren diese Nachricht sofort mit Tod und Trauer. Natürlich ist mit Krebs nicht zu spaßen, trotzdem bedeutet es nicht gleich, dass man stirbt, wenn man an Krebs erkrankt ist.
Der Förderverein für krebskranke Kinder e.V. Freiburg im Breisgau hat sich seit nun mehr als 30 Jahren zur Aufgabe gemacht, Familien mit einem onkologisch erkrankten Kind mit einer Vielzahl von psychosozialen, sozialrechtlichen und finanziellen Maßnahmen zu unterstützen. Die Unterstützung der Forschung im Bereich Kinderonkologie der Universitätskinderklinik Freiburg ist ein weiteres Ziel des Fördervereins, der 1980 gegründet wurde. Der Verein finanziert sich ausschließlich aus Spendengeldern.
Im Rahmen meines Praktikums bekam ich Eindrücke in ein Projekt des Fördervereins, das Elternhaus. Das Elternhaus wurde 1995 gebaut und 2005 erweitert. Somit hat das Elternhaus 37 Zimmer, das sind ca. 73 Übernachtungsmöglichkeiten.
Das Elternhaus bietet den Familien mit onkologisch erkrankten Kindern, während der ambulanten oder stationären Behandlungen in der Universitätskinderklinik, eine Unterkunft.
Der Sozialpädagogische Bereich des Elternhauses gliedert sich in drei Unterbereiche: Sozialdienst, Geschwisterspielstube „Regenbogen“ und Verwaiste Eltern. Hier haben die Familien die Möglichkeit, verschiedene Angebote wahrzunehmen.
Im Sozialdienst erfahren die Eltern unter anderem sozialrechtliche Beratung, finanzielle Unterstützung und Hilfestellung bei der Verarbeitung der Erkrankung. Die Familien können sicher gehen, dass sie in dieser schwierigen Zeit nicht alleine sind.
Aber auch die verwaisten Familien finden im sozialpädagogischen Bereich „Verwaiste Eltern“ Unterstützung.
Die in das Elternhaus integrierte Geschwisterspielstube „Regenbogen“, die 1981 eröffnet wurde, sollte mein Arbeitsbereich für die nächsten 2 Wochen meines Praktikums sein.
Die Spielstube ist für die gesunden Geschwister, die in der Fachliteratur auch „Schattenkinder“ genannt werden. Dort ist das Augenmerk ganz allein auf sie gerichtet, da die „Schattenkinder“ sich häufig vernachlässigt fühlen. Deshalb ist es umso wichtiger, genauer auf die Geschwister zu achten und ihnen die Zuneigung zu geben, die sie in dieser schwierigen Zeit brauchen und Zuhause momentan vielleicht nicht immer bekommen können.

Geschwisterspielstube.
Vor meinem Praktikum konnte ich mit diesem Begriff nichts anfangen. Ich bewarb mich zwar in der Geschwisterspielstube, hatte jedoch keine Ahnung, was das war. Das Einzige was ich wusste war, dass ich Kinder bis einschließlich 16 Jahre, betreuen würde. Deshalb wusste ich, als ich an meinem ersten Tag in der Spielstube ankam, nicht wirklich, was mich erwarten würde.
Ich war ziemlich nervös, als ich im Elternhaus ankam. Die Nervosität legte sich jedoch ziemlich schnell, da ich von den Mitarbeitern total nett begrüßt und aufgenommen wurde.
Die Atmosphäre in der Geschwisterspielstube war von Anfang an sehr schön und auch einladend. Meine Anleiterin Frau Beißwenger empfing mich und stellte mich zunächst dem Jahrespraktikanten vor. Danach durfte ich die ersten Geschwisterkinder kennenlernen.
Auf den ersten Blick hatte ich nicht das Gefühl, dass sich die Spielstube in irgendeiner Hinsicht von einem „normalen“ Kindergarten unterschied. Auf den zweiten Blick gibt es jedoch einige Unterschiede diesbezüglich zu erkennen, z.B.
fachlich, inhaltlich, personell, organisatorisch, als auch von der Zielgruppe und Altersspanne der Kinder und Jugendlichen.
In der Geschwisterspielstube muss man sehr spontan sein, da täglich wechselnde Kinder da sind und es auch keine gleichbleibenden Anwesenheitszeiten gibt. Daher ist auch ständiges und spontanes Arbeiten und Eingehen auf die Kinder notwendig.
Ein weiterer Unterschied zu „normalen“ Kindertagesstätten ist, dass die Betreuer der Spielstube von Grundberuf her keine Erzieher sind und auch nicht als solche dort angestellt sind. Da sich im Laufe der Zeit gezeigt hat, dass in einer Erzieherausbildung viele Bestandteile, wie z.B. Psychologie etc., die in diesem Bereich sehr wichtig sind, nicht vorhanden sind.
Meine Anleiterin erklärte mir, dass es bei der Arbeit mit den gesunden Geschwisterkindern unter anderem sehr wichtig ist, die Kinder genau zu beobachten und zu schauen was sie beschäftigt. Dadurch können die Sozialpädagogen die Kinder je nach Bedarf individuell betreuen und ihnen helfen auf unterschiedlichste Art und Weise ihre Gefühle und Gedanken auszudrücken. Zum Beispiel durch Rollenspiele, Kreativangebote oder andere Spiele. Dazu gibt es in der Geschwisterspielstube eine Menge Material, wie z.B. Bücher, ein Playmobil- Krankenhaus, Handpuppen, einen Arztkoffer und viele verschiedene Brettspiele.
Man kann Anhand von Verhaltensbeobachtung, Achtsamkeit und daran, was für ein Buch sich die Kinder aussuchen, um es anzuschauen oder einen darum bitten es ihnen vorzulesen oftmals leicht erkennen, beziehungsweise erahnen, welche Themen die Kinder gerade beschäftigen. Dementsprechend und mit verschiedenen Methoden aus der pädagogischen Arbeit können die Betreuer dann speziell auf dieses Thema eingehen. Deshalb hat die Spielstube unter anderem viele verschiedene Bilderbücher zum Thema Tod, Krebs, Kranksein oder über alltägliche Themen wie Freundschaft, Kindergarten usw.
Außerdem ist es wichtig, viel Geduld mit den Kindern zu haben, trotzdem sollte man aber auch eine Autoritätsperson sein, da die Kinder gerne ihre Grenzen austesten. Anfangs war es schwer für mich autoritär zu wirken, damit die Kinder auf mich hören. Mit der Zeit jedoch wurde es besser und ich hatte mehr Geduld mit den Kindern.

Normalität?
Ich fragte mich anfangs, ob sich die Spielstube im Elternhaus stark von anderen Kindertagesstätten unterscheiden würde. Gibt es auch dort so etwas wie Normalität? Einen geregelten Tagesablauf? Aktivitäten wie in jedem anderen Kindergarten auch?
All diese Fragen konnte ich mir innerhalb der ersten zwei Tagen schon selbst beantworten. Die Geschwister waren aus einem anderen Grund dort, als wenn sie in einen „normalen“ Kindergarten oder zur Schule gehen.
Jedes Kind bekommt in der Geschwisterspielstube die individuelle Zuwendung und einen „geschützten“ Raum, die es benötigt. Da die Gefühle, welche die Geschwisterkinder in solch einer Lebenssituation empfinden, wechselhaft sind und stark zum Vorschein kommen, ist es ein wichtiges Ziel der Mitarbeiter, das Kind in seiner Ganzheit zu akzeptieren. Auch die Präventionsarbeit von situationsbedingten Verhaltensauffälligkeiten und Krisenintervention zählen zu den pädagogischen Zielen der Arbeit. Durch die Erkrankung des Bruders oder der Schwester geht Normalität verloren, doch wird in der Spielstube versucht ein kleines bisschen Normalität und einen geregelten Tagesablauf, soweit dies möglich ist, zu bieten. Wenn die Kinder in die Spielstube kommen, werden sie je nach Alter entsprechend betreut. Einige Kinder kommen mittags nach der Schule und können dann dort auch ihre Hausaufgaben machen oder auf Klausuren lernen. Es gibt aber auch feste Regeln, wie „nur am Tisch essen“ - Eine Regel, die erstens aus hygienischen Gründen gehandhabt wird, damit sich keine Essensreste im Raum verteilen und zweitens die gemeinsame Essenskultur pflegen soll. Die Kinder lernen dabei, dass man sich fürs Essen Zeit nehmen soll -, angemessenes Verhalten den anderen Kindern gegenüber - Jedes Kind soll sich in der Einrichtung wohl fühlen und keiner soll zu Schaden kommen. Es wird ein wertschätzender, liebevoller Umgang miteinander gelehrt – und viele mehr.
Kleinkindern werden zum Beispiel auch, wenn es Zuhause gerade nicht möglich ist, weil die Eltern keine Zeit dafür haben, beigebracht auf das Töpfchen zu gehen.
Dadurch wird Normalität und eine Grundlage für einen geregelten Tages Rhythmus geschaffen. Die Betreuer setzen sich auch für Probleme der Kinder ein. Wenn sie bemerken, dass die Kinder Probleme in der Schule haben, nehmen sie nach Rücksprache mit den Eltern auch häufig Kontakt mit den verantwortlichen Lehrern auf und vermitteln ihnen in einem Gespräch, in welcher schwierigen Situation sich die Kinder zur Zeit befinden.
Im Laufe der zwei Wochen bekam ich auch mit, dass es viele Aktionen in der Geschwisterspielstube über das Jahr verteilt gibt. Unter anderem gibt es den Geschwistertag. Dieser Tag findet einmal im Jahr statt und steht in Kooperation mit der Kinderklinik. An diesem Tag werden die Kinder spielerisch durch die Klinik geführt, es werden ihnen aber auch verschiedene Dinge, wie Ultraschall oder Blutabnahme gezeigt und erklärt. Die meisten gesunden Geschwister kennen diese Dinge schon von ihren erkrankten Geschwistern. Zum Schluss können die Kinder alle Fragen die sie haben einem Arzt stellen, der diese dann beantwortet.
Es gibt natürlich noch viele andere Aktionen wie eine Geschwisterfreizeit oder „Cafe Weiterleben“. „Cafe Weiterleben“ ist für die verwaisten Familien gedacht und steht in Zusammenarbeit mit einer Sozialpädagogin des Elternhauses.

Apropos Fragen...
Die Betreuer der Geschwisterspielstube haben mir gleich zu Anfang meines Praktikums erklärt, dass sie hier in der Tagesstätte alle Fragen, die die Kinder den Betreuern stellen, auch beantworten. Es gibt hier keine Tabuthemen über die nicht gesprochen werden darf. Alle Fragen sind erlaubt. So werden alle Fragen altersgerecht beantwortet. Wenn man eine Frage nicht beantworten kann z.B. medizinische Fragen, soll man sagen, dass man sich erkundigen wird und ihnen das nächste Mal eine Antwort gibt. Mein erster Gedanke, nachdem mir Frau Beißwenger dies erklärt hatte, war: Warum? Warum legte man dort so viel Wert darauf, jede einzelne Frage zu beantworten?
Die Antwort war eigentlich ganz simpel. Die Betreuer wollen Vertrauen zu den Kindern aufbauen und ihnen zumindest in der Spielstube die Sicherheit geben, dass sie wahrgenommen und ihre Fragen ernst genommen werden. Außerdem haben die Eltern oftmals weder Kraft noch die Zeit, mit den Geschwisterkindern über die Erkrankung zu sprechen. Da Kinder ein sehr feines Gespür dafür haben, wenn man ihnen etwas verheimlicht oder Fragen nicht beantwortet, obwohl man die Antwort eigentlich kennt, haben die Kinder unter anderem manchmal das Gefühl, dass sie ausgeschlossen werden und können das Vertrauen in ihre eigenen Wahrnehmung verlieren.
Im Laufe der zwei Wochen habe ich immer mal wieder Informationen von meiner Anleiterin bekommen, somit konnte ich in der Zeit viel dazugelerntes mitnehmen und mein Wissen über Krebs erweitern. Was ich auch sehr gerne tat, da sie mir immer wieder Material zum Informieren gegeben hat. Unter anderem einen Film über Krebs, viele Bücher zum Thema, sowie Broschüren, die für betroffene Familien sind. Mit Hilfe von diesen Dingen lernte ich gerne Stück für Stück etwas dazu, sodass ich nicht zu viel Informationen auf einmal bekommen hatte. Den Betreuern war es wichtig, dass ich all dieses Hintergrundwissen dazulerne, damit ich verstehen konnte, worüber in der Spielstube gesprochen wurde.
Während meines Praktikums habe ich viel dazugelernt. Mehr Geduld zu haben, sowie Verständnis für manch Handeln der Kinder als auch Aufgeschlossenheit. Außerdem habe ich bemerkt, dass ich während meines Praktikums mehr auf Kinder zugegangen bin, als sonst. Ich bin offener geworden und habe gelernt mich durchzusetzen. Ich habe gelernt wie ich mich in manch schwierigen Situationen verhalten soll und bin insgesamt von mir selbst positiv überrascht.
Ich bin froh, dass ich mein Compassion- Praktikum im Elternhaus des Fördervereins für krebskranke Kinder Freiburg e.V. gemacht habe. Durch die schöne Atmosphäre und die netten Mitarbeiter hat mir das Praktikum sehr viel Spaß gemacht und mir gleichzeitig noch viele Erfahrungen für die Zukunft mitgegeben.
Ich würde jederzeit wieder ein Praktikum dort machen, jedoch vielleicht für längere Zeit, da es dort so viel zu lernen und neues zu entdecken gibt und die zwei Wochen dafür leider zu kurz waren.

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