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Essay über das Praktikum

(von Ann- Kathrin Engel)

„Juhu, morgen habe ich Geburtstag“, dieser Satz kommt uns doch sicherlich bekannt vor. Meistens sagen diesen Satz Kinder, die es kaum abwarten können, ihre großen, bunten Geschenke auszupacken und die brennenden Kerzen auf dem großen Schokoladenkuchen auszupusten. Im Laufe der Zeit wird die Vorfreude auf den 18. Geburtstag immer größer. Man freut sich darauf, alleine Auto fahren zu dürfen, und kann in Clubs gehen, von denen alle schwärmen. Doch ab 18 geht die Zeit so schnell vorbei. Das glaubst du nicht? Ich schon! Jetzt träumen alle davon, die Welt zu sehen, unser Leben zu leben. Man lernt einen Partner kennen, heiratet ihn und bekommt Kinder – so sollte es zumindest sein- und siehst du es? Schon ist die Zeit vorbei. Du merkst nur die Zeit, weil deine Kinder immer älter und deine Arbeitskollegen immer jünger werden. Du wartest sehnsüchtig auf deine Rente – hoffen wir mal, dass es in 10 Jahren auch noch Rente gibt- und kannst es kaum erwarten, viel Zeit für dich und deine Liebsten zu haben. Doch ist es wirklich so toll, in Rente zu kommen? Ich glaube, sie ist nur ein böses Erwachen. Ein Erwachen in der Hinsicht, weil man auf einmal merkt, dass man alt ist. Man fängt an auf sein Leben zu blicken. Man ist stolz auf das, was man erreicht hat, und bedauert Ereignisse, die falsch gelaufen sind. Ich glaube, man bemerkt, wie schnell das Leben vorbei zieht. Man bekommt Angst. Angst vor Krankheiten, Angst vor dem Alleinsein, Angst, auf fremde Hilfe angewiesen zu sein und natürlich Angst vor dem Tod. Wir werden vielleicht noch Angst davor haben, keine oder kaum Rente zu bekommen, obwohl wir das ganze Leben gearbeitet haben. Ich möchte das Alt sein nicht zu negativ beschreiben, es hat auch Vorteile. Du siehst deine Enkelkinder, wie sie heranwachsen, und gehst auf Kreuz- und Kaffeefahrten. Doch nun möchte ich anfangen etwas aus meinem Praktikum zu erzählen, da wir nun in dieser Altersstufe angekommen sind. Etwas sehr erstaunliches Vorweg. In diesem Seniorenheim gibt es überwiegend Frauen. Ich habe gerade mal vier Männer kennengelernt, man muss jedoch dazu sagen, dass alle vier noch recht fit sind. Die Senioren sind sehr unterschiedlich. Manche sind im besten Alter von 90 und sind so unglaublich selbstständig- soweit es geht- und fit, während es anderen mit 80 lang nicht mehr so gut geht. Eine Dame mit über 90 ist so gut bei Verstand, dass sie noch viel erzählen kann und hat immer einen Witz auf Lager. Eine andere erzählt voller Stolz, dass sie in ein paar Tagen 93 wird, was man ihr überhaupt nicht ansieht. Eine 80 jährige kann dagegen nicht mehr viel reden, nur noch Wörter wie „Ja“ und „Weiß nicht“. Genauso unterschiedlich sind sie bei der täglichen Körperpflege. Viele lassen sich ohne Gemecker pflegen und machen Sachen wie Zähne putzen selbst. Andere dagegen sind strikt gegen die Pflege. Dazu ein Beispiel: Eine sehr eigensinnige Frau wird sehr aggressiv und laut, wenn man sie im Gesicht oder am Körper waschen will, oder ihr eine Windelartige Binde einlegen möchte. Andere wiederrum fangen an zu weinen, wahrscheinlich, weil sie darüber traurig sind, dass sie sich selbst nicht mehr waschen oder duschen können. Na, denkst du auch an das, was ich denke? Richtig, alte Menschen kann man mit kleinen Kindern vergleichen. Kinder können auch laut werden, wenn sie unbedingt das kurze T-Shirt oder Kleid anziehen wollen, obwohl es zu kalt ist. Kinder fangen auch an zu weinen, wenn sie lieber spielen oder Fernseher gucken wollen, statt zu duschen oder Zähne zu putzen. Und noch eines haben Kinder und Senioren gemeinsam. Die Windel. Wenn man die Windel nicht wechselt, kann es ganz schön stinken! Sowohl bei alten, als auch bei jungen Menschen. Die aggressive und laute Dame, wie oben schon erwähnt, mag es gar nicht, diese Windeleinlage zu tragen. Manchmal zieht sie die mitten in der Nacht aus und das Ergebnis ist echt eklig. Wenn man dann am nächsten Tag in ihr Zimmer kommt, merkt man, dass etwas nicht stimmt. Die stickige Luft, die man mit einer Säge zerschneiden könnte und der Gestank nach Fäkalien lassen einen an liebsten den Raum, so schnell wie es nur geht- verlassen! Doch wenn man dann anfängt sie zu putzen und das verschmutzte und stinkende Bettlaken in den Wäschekorb werfen möchte, wird sie wieder aggressiv und denkt wir wollen ihr etwas klauen. Sie kommt dann auf verrückte Ideen, wie z-B den Weg mit ihrem Rollator versperren, oder damit über Füße rollen. Du findest das lustig? Ich nicht, in dieser Situation bekommt man Angst vor dieser verrückten, alten Frau. Ich fühle mich dann hilflos, wenn sie sich so wehrt. Mir graut es, wenn ich daran denke mit ihr allein zu sein. Doch damit muss man fertig werden in diesem Beruf. Leider gibt es noch schlimmere Situationen, mit denen man klarkommen muss. Eine Dame, ich schätze zwischen 80 und 84 Jahren, voller Lebensfreude, kurzen, lockigen Haaren und immer einen Hauch von Parfüm musste Anfang Februar sterben. Am ersten Tag meines Praktikums war sie noch gesund, plötzlich ist sie an Fieber erkrankt, war blass und schlapp, nichtmal mehr essen konnte sie alleine. Am Abend, an dem sie gestorben ist, hat sie nur noch trocken gehustet, ist eingeschlafen und nie wieder aufgewacht. Das war ein Schock für die Mitarbeiter, für mich und sicher auch für die Bewohner. Doch ist das nicht schon Alltag für sie? Der Essplatz der Verstorbenen war bereits nach einem Tag von einer anderen Bewohnerin belegt. Eine Mitarbeiterin erzählt mir, dass in vier Monaten vier Personen gestorben sind. Ich glaube dass das Seniorenheim die letzte Station von vielen Menschen ist. Besonders viele kranke Menschen, die ein Pflegefall in ihrer Familie sind, landen im Seniorenheim. Du willst wissen, wie ich darauf komme? Nun ja, manche Bewohner haben Demenz, diese Krankheit hat mich sehr zum Nachdenken angeregt und ich habe Angst vor dieser Krankheit. Dadurch wird man sehr vergesslich und verwirrt. Manchmal ist das schon lustig, wenn dich jeden Tag dieselbe Person fragt, wo sie sitzt, obwohl ihr Sitzplatz immer der gleiche ist. Oder wenn ein Mann nach 30 Minuten vergisst, dass er schon sein Frühstück gegessen hat und einfach das von seinem Nachbar isst. Doch so lustig ist diese Krankheit nicht. Dies gehört zu den Anfangsstadien, doch ich habe drei Frauen kennengelernt, die nichts mehr mitbekommen haben. Ihr Tagesablauf sieht so aus: morgens, im Bett liegend gewaschen und angezogen werden, dann vom Bett direkt in den Rollstuhl und ab zum Essen, was sie viermal am Tag bekommen und jedes Mal nur püriert oder einen Brei. Dann mittags ein Schläfchen und abends wieder ins Bett. Und ich glaube, diesen Tagesablauf bekommen sie nicht mehr richtig mit. Eine von ihnen kann nur „ Wolle Wonne Wose“ sagen, die anderen beiden nichts mehr. Und sie sind total in ihren Erinnerungen gefangen. Manchmal kullert ihnen einfach so eine Träne runter. Diese Krankheit und diese drei Menschen haben mich immer zum Nachdenken gebracht. Ich habe überlegt, wie es wäre, wenn meine Uroma schon in diesem Stadium wäre. Das ist echt schrecklich, denn man ehrlich, wer besucht schon gerne einen Menschen, der nicht mal mehr reden kann, geschweige davon, dass er weiß, dass du mit ihm Verwandt bist. Ich finde diese Vorstellung schrecklich!

Wenn ich so zurückblicke, bereue ich nichts an meinem Praktikum. Die Mitarbeiter waren total nett, haben alles erklärt und waren hilfsbereit. Die Bewohner waren freundlich und zum Teil echt verrückt. Wenn ich ehrlich bin, hab ich noch nie so verrückte Menschen kennengelernt. Außerdem habe ich wieder bemerkt, wie verschieden und liebenswert jeder Mensch auf seine Weise ist. Ich finde es echt wichtig, dass jeder Mensch mal Compassion erleben sollte. Durch die heutige Gesellschaft wurde Geld zu einem der wichtigsten Faktoren im Leben und dabei wird Soziales total vergessen. Doch wir sollten uns alle im Klaren sein, dass jeder von uns alt wird und vielleicht mal im Rollstuhl sitzt und dann werden wir froh sein, wenn uns jemand hilft.
Fr, 21.06.2024
BG J 2 Bekanntgabe Abiturergebnisse
Do, 27.06.2024
bis Fr, 28.06.2024

BG J 2 Mündliche Abiturprüfungen
Fr, 28.06.2024
unterrichtsfrei
Do, 04.07.2024
BG J 2 Ausgabe der Abiturzeugnisse 18.00 Uhr
Fr, 05.07.2024
Mündliche Realschulabschlussprüfung in Deutsch und Mathematik
Sa, 06.07.2024
J 2 Abiturfeier
Mo, 08.07.2024
bis Di, 09.07.2024

BG J 1 Seminarkurskolloquien
Di, 09.07.2024
Sommerkonzert